Kleine Geschichte der Agnes Bernauer
Agnes Bernauer war die bürgerliche Geliebte und spätere Gattin von Herzog Albrecht III. Ihre Herkunft konnte bis heute nicht genau geklärt werden. Meistens wird sie als Tochter eines Augsburger Wundarztes und Badebesitzers bezeichnet, es ist aber auch die Rede von einem Kürschner oder Uhrmacher. Wann Herzog Albrecht III. und Agnes Bernauer sich kennenlernten, liegt ebenfalls im Dunkeln. Der Name Agnes Bernauer taucht aber bereits 1424 in einer Abrechnung des Münchner Stadtkämmerers auf der Gesindeliste Herzog Albrechts auf. Albrecht heiratete Agnes heimlich auf der Vohburg und gefährdete damit die Erbfolge seiner Familie: Albrecht III. war nämlich der zu diesem Zeitpunkt einzige noch lebende Sohn des damals herrschenden bayerischen Herzogs Ernst und somit einziger Erbfolger. Um die Erbfolge zu sichern, arrangierte sein Vater einen Jagdausflug von Albrecht nach Landshut und ließ in dessen Abwesenheit die Bernauerin in Straubing verhaften und dort am 12.Oktober 1435 als Hexe in der Donau ertränken.
Herzogin Agnes von Baiern, genannt die Bernauerin.
Kupferstich nach dem Gemälde, das bis 1801 in der Karmelitenkirche in Straubing zu sehen war. Seit der Säkularisation gilt es als "verloren".

Ertränkung der Agnes Bernauer in Straubing, F. Reusche, Holzstich, ca. 1880.
... Und da der hencker sie hat gebunden gehapt und in die Donauw wellen werfen, hat er zu ir gesagt, wann sie frei bekenn, dass herzog Albrecht nit ir eelicher mann sei, so well er sie leben lan und frei ledig darvon lan. Das hat sie nit wellen thon, sunder gesagt, sie sei hertzog Albrechts eelichs weib. Daruff hat er sie in die Donaw geworfen und hat sie das drittmal aus dem Wasser zogen und hat sie lang darunder gehapt und alweg gemeint, er hab sie ertrinkt, und sie sei gestorben und hat immer zu noch gelept. Zum letzsten hat der hencker ain lang stang genommen und um der Agnesen har gewicklet, dann sie gar ain schöns, langs har hat gehept, und und sie wieder im wasser gen boden zochen und an der stang mit dem har so lang im wasser am boden gehalten, bis er sie doch zum letzsten ertrinckt hat.

Die Vohburg 1435
1414 errichtete Herzog Ernst die 1316 zerstörte Vohburg und schenkte sie seiner Frau Elisabeth. Albrecht III., einziger Sohn und Liebling der Mutter, erhielt die Grafschaft Vohburg von ihr geschenkt und wohnte mit Agnes Bernauer hier von 1431 bis 1434.
Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung der Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt
Nachweislich seit 1928, so ist Vereinsaufzeichnungen des Faltbootclubs im Dt. Alpenverein, Sektion Nürnberg (FSN) zu entnehmen, kommen Paddler nach Vohburg. "Sie schliefen oben bei uns im Saal, auf Tischen und Bänken", so erinnert sich noch heute der damals siebenjährige Weißbräu Josef Amberger, Besitzer und Diplombraumeister der Vohburger Weißbierbrauerei "Zum Antonibräu". Die Faltboote trockneten damals beim Freidlbauern (Haus am Damm mit dem Hl. Nepomuk) über Nacht in der Scheune. Der Freidl-Bauer stellte auch noch bis in die 70er Jahre seinen Garten zum Zelten zur Verfügung und selbstverständlich auch seine Toilette. Ab 1933 nahm die Zahl der Paddler beständig zu, um sich nach Kriegsende und Währungsreform, erst anfangs der 50er Jahre wieder zu erholen. Nach wie vor hatte das Wirtshaus "Zum Antonibräu" seinen guten Ruf bei den Paddlern, nicht nur weil es bis zur Währungsreform und in Zeiten von Lebensmittelmarken bis 1950, auch oft "etwas zum Beißen gab, auch ohne Lebensmittelmarken, führten wir damals doch noch die Landwirtschaft und meine Mutter sorgte schon dafür, dass keiner hungrig zum Schlafen ging", so Sepp Amberger.
Mit diesem Erbe übernahm Erwin Köhler 1980 mit seiner Frau Brigitte das Wirtshaus. Schnell war ihnen klar, dass die Schar der Kanuten ihr sommerliches Standbein waren. Wen wundert's also, dass sie zu den Feierlichkeiten anläßlich des 550. Todestages der Bayer. Herzogin "Agnes Bernauer", Gemahlin Herzog Albrecht III., "ihre Paddler" mit einbeziehen wollten. Die Idee war, mit einer Kanuwanderfahrt die Bernauerstädte Augsburg - Vohburg - Straubing zu verbinden. Rolf Riedel von "unserem Hausverein", der FSN, gab jedoch die Zeit und die nötige Organisation jeweils vor Ort zu bedenken. Im Herbst 1985 kam der Wanderwart des KC Donauwörth Rainer Strunze mit dem Anliegen zu den Wirtsleuten, er suche einen geeigneten Anlass und Termin möglichst um den Buß- und Bettag für eine Saisonabschlussfahrt. Vielleicht wäre es ja auch möglich, dass wir als Paddlerwirtsleut' einen Pokal stifteten?
Das war die Geburtsstunde der Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt!
Die Wirtsleute stifteten den Pokal, der mit einer Silbermünze als Sonderprägung zum 550. Todestag der Agnes Bernauer im Jahre 1985 zierte. An der ersten "Bernauer-Fahrt" nahmen 34 aktive Paddler teil, im zweiten Jahr waren es bereits 98.
Am 7. April 1987 entschied der Stadtrat durchgehend positiv über den Antrag von Wirt Erwin Köhler, Chemikalientoiletten an der Donaulände aufzustellen, was bisher in lobenswerter Weise reibungslos funktioniert. Am Buß- und Bettag des gleichen Jahres wurden 180 Aktive gezählt, die ins Wirtshaus zum Mittagessen gepfercht waren.
Die 4. Bernauerfahrt sprengte die Rahmen des Wirtshauses. Bis Anfang November hatten sich bereits 204 Aktive bei Reiner Strunze angemeldet. Auf das Bitten der Köhler's hin, räumte der Weißbräu einen seiner Bierkeller aus, um die Schar der Donaufreunde und ihre Begleitpersonen aufnehmen zu können. An eine Speisenkarte war da nicht mehr zu denken; so gab es Gulasch, Knödel und Salatplatten.
Die Zahl der Paddler pendelte sich bei den kommenden Fahrten im Schnitt auf 150 ein, dazu die Begleitpersonen, die die Autos nach Saal oder Kelheim vorsetzen oder die Paddler dort wieder abholen. Aus Platzmangel zog Erwin Köhler deshalb mit "seinen Paddlern" zum Wirtskollegen in den Strassersaal, um den Paddlerhock dort durchzuführen. Als Erwin Köhler aus gesundheitlichen Gründen 1991 sein Wirtshaus aufgeben mußte, schenkte er der Stadt Vohburg den Pokal, der Straubinger Kanuclub übernahm die Patenschaft. Wie bereits bei der vierten Bernauerfahrt, so kam auch zur Zehnten das Herzogspaar der Bernauerfestspiele in Straubing mit Gefolge nach Vohburg. Es traf sich am Ulrich-Steinberger-Platz mit den geladenen Gästen und vielen Paddlern um mit der Stadtkapelle zur Aula der Volksschule zum Paddlerhock zu ziehen. Dort begrüßte Rainer Strunze die über 300 Gäste, ebenso 1. Bürgermeister Sepp Hammerschmid, der dies mit viel Lob und Dank für die Organisatoren verband. "Zum Leben der Bernauerin" nannte Erwin Köhler seinen Festvortrag. Die Bewirtung hatte die Faschingsgesellschaft Rot-Blau übernommen, das Essen servierte die Metzgerei Winkler. Nach dem Essen zog die Schar der Paddler, das Herzogspaar voraus zur Donaulände, wo Stadtpfarrer BGR Beuchert einen Kanuten- und Bootssegen spendete. Das Herzogspaar blieb bis auch der letzte Paddler eingesetzt hatte. Das Straubinger Tagblatt schrieb damals zur Fahrt: In Vohburg ist die Bernauerin nicht umgebracht worden, sie wäre aber fast erfroren.
Bei der 11. Fahrt zählten wir 163 Aktive. Eine Besonderheit der Fahrt ist der jährlich wechselnde Fahrtenbuchstempel. Er zeigt meist ein Motiv der Agnes Bernauer oder der Stadtkulisse Vohburgs.
Der Bau der Vohburger Staustufe hatte dazu geführt, dass die Strecke der Fahrt nicht mehr von Ingolstadt nach Vohburg führte, sondern ab Vohburg nach Kelheim. Gerade bei der 12. Fahrt mit 176 Aktiven wurde von den Teilnehmern die Sorge laut vorgetragen, in Eining würde die nächste Staustufe gebaut, was auch den Tod der Bernauerfahrt bedeutet hätte. 1. Bürgermeister Rudi Fahn beruhigte die Anwesenden: "Eining kommt nicht"!
Bei der 13. Bernauerfahrt konnten 160 Paddler gezählt werden.
Zur 14. Fahrt trugen sich 140 Aktive in die Teilnehmerliste ein.
Die 15. Kanuwanderfahrt zum Gedenken an die Bernauerin zählte erstaunlicher Weise wieder 197 Aktive. Auch die Stadt Vohburg zeigte sich besonders spendabel: Sie stiftete einen neuen Pokal und jeder Teilnehmer erhielt eine Leinentragetasche mit dem damaligen Stempelmotiv der Fahrt. Der noch von den Wirtsleuten Köhler gestiftete Pokal wanderte ins Stadtarchiv.
Im Jahre der 16. Bernauerfahrt konnte Reiner Strunze seinen 60. Geburtstag feiern und 133 Aktive Paddler begrüßen. Erwin Köhler hatte beim Verbandspräsidenten des BKV Wilhelm Rogler angeregt, Herrn Strunze endlich für seine Verdienste um die ehrenamtlichen Leistungen für den Kanusport zu danken. So erhielt dieser aus den Händen vom Vizepräsidenten Max Scharnböck die Silberne Ehrennadel des Bayerischen Kanuverbandes.
Mit 120 Aktiven war die 17. Bernauerfahrt bisher die Schwächste an Teilnehmern. Sie hielt aber auch eine besondere Überraschung für den ehemaligen Antonibräuwirt bereit: Nach dem Ehrenbrief des Bayerischen Kanuverbandes zum 10jährigen erhielt Erwin Köhler die Silberne Ehrennadel für seine Verdienste um den Kanusport. Der damalige Vorstand der Bayerischen Einzelpaddler-Vereinigung e.V., Herbert Knoll, sagte in seiner Laudatio, er habe es noch nicht erlebt und er kenne auch niemand anderen, der sich als Privatperson so um die Paddler bemüht über die Jahre hinweg und das das ganze Jahr hindurch wie "unseren Erwin", ohne den es die Fahrt bestimmt nicht mehr gäbe.
Die 18. Fahrt verlief wieder mit 120 Aktiven reibungslos - bis zum Schluss: Auf dem Heimweg auf den Nürnberger Autobahn verunglückte einer der treuesten Paddler Herr Manfred Herrgottshöfer tödlich.
Bei der 19. Fahrt mit 137 Aktiven wurde Ihm im Besonderen gedacht. Und weil man ja nie vor Überraschungen sicher ist, gab Rainer Strunze, Berzirkswanderwart des Bezirkes Schwaben, wohnhaft bei Eisenach bekannt, dass er sein Amt künftig nicht mehr ausüben werde um jüngeren Platz zu machen. Er habe aber die 20. Bernauerfahrt noch ausgeschrieben und will sie auch noch mitorganisieren.
Wie's mit der Bernauerfahrt weitergeht?
Als nunmehr Mitglied der Bayererischen Einzelpaddler mit der Mitgliedsnummer 2500 sieht Erwin Köhler die Weiterführung der Fahrt als Auftrag und Verpflichtung. Mit der langjährigen Durchführung der Fahrt sind für ihn auch sehr schöne Ziele erreicht worden: Die Kanufahrt findet bundesweit Beachtung, Vohburg ist bei allen Kanuten in der Rebuplik und darüber hinaus bekannt geworden, das "Image" der Bernauerin wurde verbessert und ins rechte Licht gerückt, und nicht zuletzt ist es gelungen, Geschichte und Breitensport eng aneinander zu binden. Erwin Köhler freut sich im Besonderen, dass es gelungen ist, auch bei den Jugendlichen Kanuten das Interesse am Schicksal der Agnes Bernauer zu wecken und sie so für ""Geschichte" im Weiteren zu interessieren.
Und mittlerweile hat sich ergeben, dass der KC Donauwörth, dessen Jahresabschlussfahrt die Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt ja immer noch ist, künftig die Fahrten ausschreibt. Und wie könnte es auch anders sein? - Mit Hilfe von Reiner Strunze, "wenns d'Gsundheit erlaubt".
Zur 20. Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt 2005 spendierte die Stadt Vohburg zur Jubiläumsfahrt einen neuen Pokal, der vom Glaskünstler Hans Schleicher in Gera gestaltet wurde - und zum ersten Mal nahm ein fernöstliches "Drachenboot" an der Fahrt teil, welches die Bayerischen Einzelpaddler zur Feier des Tages nach Vohburg geschafft hatten.
Die 21. Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt bewies einmal mehr, was für ein zähes Völkchen die Kanuten sind: Trotz miserabler Wettervorhersage kamen doch fast alle wieder nach Vohburg an die Donau - und Petrus hatte ein Einsehen und schickte erst kurz vor dem Ziel in Kelheim etwas Hagel und Regen hinab.
In diesem Sinne bleibt also alles beim Alten und die Agnes-Bernauer-Kanuwanderfahrt ein fester November-Termin im Kalender der Kanuten!
Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freut sich:
Erwin Köhler, Mitglied der Bayerischen Einzelpaddler-Vereinigung
Auflistung der Gewinner des Wanderpokales:
Kanuclub's und Vereine die mit den jeweils meisten Teilnehmern den Pokal errangen:| Fahrt | Jahr | Kanuclub/Verein |
| 01 | 1986 | KC Donauwörth |
| 02 | 1987 | KC Donauwörth |
| 03 | 1988 | Bayerische Einzelpaddler, die seither auf den Pokal verzichten, um den Wettbewerb unter den KC's zu fördern. |
| 04 | 1989 | KC Donauwörth |
| 05 | 1990 | TV 1860 Fürth |
| 06 | 1991 | TV 1860 Fürth (seither Wanderpokal der Stadt Vohburg) |
| 07 | 1992 | ESTV 09 Landshut |
| 08 | 1993 | TV 1860 Fürth |
| 09 | 1994 | TV 1860 Fürth |
| 10 | 1995 | TV 1860 Fürth |
| 11 | 1996 | Paddlergilde Ludwigshafen/Rhein |
| 12 | 1997 | Augsburger Kanuverein |
| 13 | 1998 | Paddlergilde Ludwigshafen/Rhein |
| 14 | 1999 | KC Donauwörth |
| 15 | 2000 | KC Würzburg |
| 16 | 2001 | KC Würzburg |
| 17 | 2002 | KC Donauwörth |
| 18 | 2003 | KC Donauwörth |
| 19 | 2004 | KC Donauwörth |
| 20 | 2005 | KC Donauwörth |
| 21 | 2006 | KC Donauwörth |
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